Gretchenfrage: „Wie finde ich eine gute Finanzberatung?“

Bei allen vermeintlichen Trends zu digitalen Finanzlösungen höre ich bei meinen Seminaren regelmäßig die Frage nach passenden, analogen „guten“ Beratungsangeboten. Aber was ist darunter zu verstehen?

„Gut“ heißt sicher erstmal: qualifiziert. Was bei Finanzinstituten mindestens durch die Ausbildung zum Bankkaufmann/ zur Bankkauffrau gegeben ist, war bei den freien Beraterinnen und Beratern bis vor wenigen Jahren fraglich. Die gute Nachricht ist, dass seit der Regulierung durch den Gesetzgeber Finanzberaterinnen und –Berater fachliche Qualifikation und eine Zulassung benötigen. Vor einer Beratung müssen interessierten Personen durch eine Erstinformation die erforderlichen Daten offen gelegt werden.

„Gut“ bedeutet weiterhin: Passend zum Anlagewunsch und zur Person insgesamt. Nach unzähligen Beispielen über ungeeignete Produkte – wer erinnert sich nicht an das Lehman-Zertifikat für die „Oma“ – schreibt der Gesetzgeber klare Regeln vor, die bei einer Beratung einzuhalten sind. Das Ergebnis in den Beratungsunternehmen sollte ein qualifizierter und definierter Prozess sein, der diese Regeln für eine anlegergerechte Beratung umsetzt. Neben umfassenden Fragekatalogen, die manchmal nervig empfunden werden, sollte die Produktauswahl nachvollziehbar sein. Fragen Sie im Gespräch ruhig nach, welche Kriterien der Berater oder die Beraterin für ihre Angebote anwendet, warum Ihnen das eine oder andere Produkt vorgeschlagen wird. Ob die gesetzlichen Vorgaben der neuen Beratungsregeln erfüllt sind prüft inzwischen auch bei freien Finanzunternehmen jährlich ein Wirtschaftsprüfer. Der Bericht ist der Aufsichtsbehörde vorzulegen.

Damit ist „gut“ im Sinne von „geeignet für die jeweilige Person“ eigentlich zwangsläufig, da Mindeststandards für die Beratung und deren Einhaltung reguliert sind.

„Gut“ scheint heutzutage auch oft „billig“ zu bedeuten. Wurde in der Finanzbranche über Jahrzehnte so getan, als koste die Dienstleistung einer Beratung nichts und wurde über Provisionen nicht gesprochen, so gilt heute „möglichst keine Kosten“. Die neuen Regulierungsauflagen verpflichten Finanzdienstleister, ihre Kosten und die Produktkosten offen zu legen. Für manche, die über Provisionen vergütet werden, eine Aufgabe, sich Gedanken zu machen, welche Dienstleistungen sie eigentlich bieten für ihr Geld.

Basiert die Vergütung auf individuellen Vereinbarungen, wie im Bereich der Honorarberatung, befinden wir uns in einem Umfeld, wie es von freien Berufen wie z.B. Rechtsanwälten bekannt ist. Gespräche, Leistungen, Gutachten, alles hat seinen Preis. Da es für die Finanzbranche – leider – keine selbstregulierende Kammer und damit auch keine Gebührenordnung gibt, bestimmt der Markt – also was Sie bereit sind zu bezahlen, noch die Preise.

„Gut“ gleich „billig“ greift auch scheinbar in der Produktwelt, anders ist der veröffentlichte Hype um ETF’s nicht zu erklären. ETF’s – Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Investmentfonds – kosten beim Kauf keine Ausgabeaufschläge, sondern nur die Gebühren bei Börse und Bank. Außerdem reduziert die Arbeitsweise die internen Kosten. Bildet ein Fonds einen Index ab, zum Beispiel den DAX, entfällt der Aufwand, den ein aktiv gemanagter Fonds treibt: Keine Fondsmanagementteams, die die Welt bereisen, keine Analysten, die das wirtschaftliche Umfeld beobachten und so weiter.

Es stimmt, es gibt relativ betrachtet nur wenige Investmentfonds, die besser sind, als der vergleichbare Anlagemarkt. Aber es gibt sie. Und wer möchte nicht einen Fonds besitzen, der weniger abstürzt, als der Index, wenn die Kurse mal wieder nach unten gehen. Seit der Finanzkrise gehen die Aktienmärkte im Wesentlichen in eine Richtung, aufwärts. Die Stunde der guten aktiven Fonds schlägt spätestens in schwierigen Zeiten. Eine Herausforderung guter Beratungsunternehmen ist, auf der Produktseite möglichst Qualität zu identifizieren und anzubieten. Und Qualität kostet, im Produkt und bei der Beratung.

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Zusammenfassend gehören Qualifikation und Erfahrung, eine breite und unabhängige Produktpalette, ein qualifizierter Beratungsprozess, Kundenorientierung und Kostentransparenz zu den Basics. Aktuell ist mir keine Plattform bekannt, die nach qualitativen Kriterien Beratungsunternehmen ausweist. Oft helfen persönliche Empfehlungen, Unternehmen, die einem Verband angehören bilden sich meist regelmäßig weiter und stellen sich dem Branchenaustausch und nicht zuletzt muss Ihr Bauch entscheiden. Wenn Sie kein gutes Gefühl mit der Beratungsperson haben, hören sie auf Ihren Instinkt und suchen weiter.

Eigene persönliche Finanzbildung vorher hilft zusätzlich, Inhalte zu verstehen, die richtigen Fragen zu stellen und eine passende Beratung auf Augenhöhe zu finden.

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Renate Kewenig im hermoney-Interview

Sparplan für Kinder: 18 Jahr – Geld ist da!

Kommunion, Konfirmation, oder schon zur Geburt von Kind oder Enkel: Es gibt sie noch, die Sparbuchgeschenke. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Erträge hier keine Rolle mehr spielen, allenfalls ein altgekanntes Sicherheitsgefühl. Wenig bekannt ist, dass verschiedene Anbieter kostenlose Kinderdepots für Investmentfondsanteile bereithalten.

Bevor das Kinderzimmer überquillt vor Spielsachen und Kuscheltieren, warum nicht regelmäßig für die Kids sparen? Zugegeben, die Haptik des guten alten Sparbuchs und damit die analoge Erfahrung wie früher mit dem Sparschwein zur Bank zu gehen und die Münzen und Scheine einzuzahlen, entfällt. Aber welche Bank zählt heute überhaupt noch Hartgeld und nimmt es an?

Auch hier greift die digitale Welt zu: Wenn die Kids dann mal zu Teens geworden sind, verstehen sie auch einen Depotauszug, auf dem der Wert wächst.

Voraussetzung für die Eröffnung eines Kinderdepots ist zunächst ein Kinderkonto, darauf können Eltern, Großeltern, Paten monatlich kleine Beträge per Dauerauftrag überweisen. Die Eltern als gesetzliche Vertreter suchen einen oder mehrere Investmentfonds aus und eröffnen ein Kinderdepot, von dem aus monatlich die Sparrate – beginnend bei 25,–€ – vom Kinderkonto abgerufen wird.

Die Beispielrechnung einer Sparrate von 25,–€ monatlich für einen qualitativ guten europäischen Aktienfonds – Sparplan Kinder – über 18 Jahre zeigt, dass trotz 9/11 und Finanzkrise – also heftigen Irritationen an den Finanzmärkten – über den relativ langen Zeitraum eine attraktive Wertentwicklung entstanden ist. Eingezahltes Kapital 5.400,–€, Ergebnis 12.043,–€. Das kann sich sehen lassen!

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