Fonds im Fokus: TerrAssisi Aktien AMI – Nachhaltigkeit mit ethischem Ansatz

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, endlich. Was alle nun integrieren – und auch in der Beratung integrieren müssen – ist für einige Anbieter schon lange selbstverständlich. Dazu gehört der Aktienfonds von TerrAssisi, der zusätzlich zu den ESG-Kriterien einen ethischen Filter anwendet, basierend auf den Grundsätzen des Franziskanerordens. Schon seit 2000 am Markt, häufig und vielfach ausgezeichnet, finden Anlegerinnen und Anleger hier ein ausgereiftes Konzept.

Harald Brockmann, Direktor für ethisch-nachhaltige Geldanlage beantwortet Fragen zum TerrAssisi Aktien AMI und zum Investmentansatz,  die Fragen stellte Renate Kewenig, Finanzbilderin:

TerrAssisi kenne ich schon lange aus meiner alten Beratungstätigkeit. Vor vielen Jahren auf der Anlegermesse lagen unsere Messestände einander gegenüber…. Halten Sie den Trend zu Ethik und Nachhaltigkeit für einen dauerhaften Wandel?

Zunächst muss man festhalten, dass ja jeder „Nachhaltigkeit“ für sich persönlich anders definiert und daher bei der Umsetzung eigener Vorstellungen eine Vielzahl von Angeboten vorfindet.

Von einem Trend zu sprechen ist u. E. schon überholt. Bei vielen Institutionellen Anlegern wie z. B. Stiftungen gehört die nachhaltige Anlage bzw. das nachhaltige Asset wie selbstverständlich in das Portfolio. Durch die staatlichen Regulierungen auch auf EU Ebene, wie auch die Verpflichtung von Beraterinnen und Beratern ab August 2022 die nachhaltigen Präferenzen abzufragen im Kundengespräch, sowie die verstärkte Medien Präsenz und Aufmerksamkeit, wird das Thema nochmals an Dynamik gewinnen. Wir brauchen einen langen Atem und sind bereit dafür.

Was unterscheidet Ihren Investmentansatz von anderen? Unter den TopTen des TerrAssisi I AMI finden sich Big Player wie Apple, Visa oder Linde, wie in anderen Fonds auch.

Wir sprechen bei unserem weltweit anlegenden terrAssisi Aktienfonds über einen Fonds der immer zu 100 % investiert ist, ohne jegliche Absicherung. Schon seit über 13 Jahren verfolgen wir den gleichen mehrstufigen Investmentansatz, der sich nicht verändert hat: Es gelangen nur Unternehmen mit einem Prime Status, d. h. besonders positive Bewertung in den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung in unser Portfolio, daneben haben wir viele Unternehmen ausgeschlossen, die in kontroversen Geschäftsfeldern und kontroversen Geschäftspraktiken involviert sind. Beispielhaft sind hier genannt: Atomenergie, Rüstung, Fossile Brennstoffe, aber auch Korruption und Kinderarbeit. Verändert hat sich im Laufe der Zeit nur die Fülle der Unternehmensanalysen, sowie der Kriterienkatalog. Nicht geändert hat sich auch die lange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Analysehaus ISS ESG und Ampega.

Bei der Recherche über die Franziskaner fand ich in Wikipedia tatsächlich Klara von Assisi, die als Mitbegründerin des Ordens bezeichnet wird. Wie nehmen Sie heute das Frauenthema in der Geldanlage wahr?

Auf der einen Seite haben wir das Beratungsfeld: Auch hier ist der Beratungsbedarf wie auch bei Männern, gerade bei nachhaltigen Assets noch sehr groß. Bei Präsenzveranstaltungen wie z. B. Messen sprechen uns Frauen an, die sich im Vorfeld zu diesem Thema schon informiert haben und dann mit konkreten Fragen zu uns kommen. Wir stellen fest, dass sich Frauen verstärkt um Ihre Geldangelegenheiten selbst kümmern möchten und für die Nachhaltigkeit insgesamt sehr affin sind. Auf der Seite unserer Hilfsprojekte sind die „Frauenprojekte“ klar im Fokus.
Hier sprechen wir z. B. über von uns unterstützte Frauenhäusern in Kenia, wo wir Frauen helfen, die wegen Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung Schutz suchen, Beistand für Frauen in Argentinien und Mexico, die einen Weg aus der Prostitution suchen oder medizinische Versorgung von alleinstehenden Frauen in Indien, welche HIV infiziert sind, u.v.m.

Im Factsheet wird darauf hingewiesen, dass ein Teil der Managementvergütung an den Franziskanerorden und seine Projekte geht. Sehen Sie darin im Markt der konkurrierenden Anbieter von Fonds einen Vor- oder Nachteil? Nach dem Motto, tue Gutes und sprich darüber.

Bei der Auswahl der KVAG zu unserer Initiative, haben wir eine Initiator Fee oder Managementvergütung vereinbart. Dieser Anteil aus der Verwaltungsvergütung der terrAssisi Fondsfamilie dient zur Unterstützung der Arbeit unseres Internationalen Hilfswerkes Franziskaner Helfen, mit Sitz in Bonn. Von dort aus unterstützen wir seit mehr als 50 Jahren weltweit Hilfsprojekte und Nothilfemaßnahmen von Franziskanerinnen und Franziskanern vor Ort.

Der Boom der ETF’s setzt die aktiven Managementansätze seit Jahren unter Druck, genau wie die Berater, die sich der Kostenfrage stellen müssen. Wo sehen Sie ihre Mitbewerber?

Wir fühlen uns mit unseren Fondslösungen sehr wohl und konnten uns in den letzten Jahren auf dem Markt behaupten. Mit unserem aktiven Managementansatz bieten wir unterschiedliche Anlageklassen und verschieden marktkonforme Vergütungsmodelle. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir bei Verfehlungen einzelner Unternehmen im Portfolio sehr schnell reagieren konnten und mit der augenblicklichen Kostenstruktur mehr als konkurrenzfähig sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fragerunde: Neues Service-Format bei Finanzverstand

Gerade in diesen Zeiten fühlen sich viele Menschen unsicher und es kommt zu Kurzschlussreaktionen rund um das Thema Geld.

Die Fragerunde bietet Ihnen 30 Minuten, in denen ich Ihnen Ihre aktuellen Fragen beantworte.

Kosten: 59,–€, Buchung zunächst über das Kontaktformular, gern mit einem individuellen Terminwunsch.

Roboadvisor – Alternative der Zukunft?

Das Kunstwort „Roboadvisor“ begegnet Anlegerinnen und Anlegern in den letzten Jahren immer öfter: Es setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen für „Roboter“ und „Berater“. Aber funktioniert Individualität durch Technik?

Der Trend entstand in den USA nach der Finanzkrise, nachdem die Branche massiv Vertrauen verloren hatte und findet auch bei uns immer mehr Freunde. Die Idee kombiniert automatisierte Prozesse mit niedrigen Kosten für die Produkte und Dienstleistungen.

Im Kern nutzen Anleger einen softwaregestützten, stringenten Weg, der ihre Daten abfragt und passende Depotvorschläge generiert. Depoteröffnung und Investition erfolgen relativ einfach, ein Online-Zugriff auf die Depots ermöglicht Durchblick zu jeder Zeit.

Anbieter benötigen klassische Zulassungen, je nach Tätigkeit: Geht es „nur“ um die Beratung und Vermittlung von Investmentfonds – übrigens einschließlich ETF’s – unterliegen sie der Gewerbeordnung, agieren sie darüber hinaus und verwalten Depots für ihre Kunden, benötigen sie eine Zulassung nach dem Kreditwesengesetz.

Für Kunden immer interessant: Die Haftung – wer trägt also die Verantwortung, wenn eine Anlage nicht passt? Das kommt darauf an: Erteilt ein Kunde einen konkreten Auftrag für selbst gewählte Produkte – eine „execution only“, der Anbieter führt also nur aus – gilt die eigene Verantwortung.

Als Beispiel: Die Auswahl von Anlageprodukten bei einer Direktbank im eigenen Depot, seien es aktive Investmentfonds, ETF’s oder Aktien. Falsch gewählt? Pech gehabt.

Robos setzen immer eigene Daten voraus, neben den allgemeinen wie Name, Adresse auch individuelle: Anlagehorizont, Anlagebetrag oder Risikofragen. Durch diese Datenerfassung – in der persönlichen Finanzberatung seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben – erfüllen die Online-Datenstrecken die Kriterien einer Online-Beratung, die individuell passende Produkte vorschlägt und damit greifen die entsprechenden Haftungsregeln. Für Verbraucher eine gute Nachricht.

Die noch jungen Fintechs und auch etablierte Banken, die zunehmend Roboadvisory anbieten, parieren damit die rechtlichen Anforderungen der Beratung und den entsprechenden Aufwand. Über standardisierte, kostengünstige und relativ schlanke Wege erfüllen sie Auflagen und „managen die Kunden“. Aber auch klassische „menschliche Berater“ kommen schon seit Jahren nicht mehr ohne eine hochwertige Software aus, die Prozesse und Entscheidungen erleichtert und dokumentiert. Der Kostendruck führt zu Lösungen, die der Finanzbranche bei sinkenden Einnahmen ein rentables Geschäftsmodell erlauben. Tausende Bankberater suchen gerade neue Jobs, da die gesamte Branche im Umbruch ist. Das ebnet Alternativen den Weg.

Sind Robos für Verbraucher die besseren Berater? Da drängt sich gleich der schöne Spruch „Garbage in – garbage out“ (Müll rein – Müll raus) auf – die Qualität der Depot- und Produktangebote hängt von der Auswahl, der Programmierung und den Menschen dahinter ab. Günstige und vor allem transparente Kosten stellen ein gewichtiges Kaufargument dar – Verbraucherschützer weisen immer wieder darauf hin. Für die Beraterbranche gilt: Je geringer der individuelle Aufwand pro Kunde, unter anderem durch lange und/oder viele Beratungsgespräche, desto eher kann trotzdem Geld verdient werden. Und seien wir ehrlich: Für ähnliche Kunden eignen sich auch ähnliche Lösungen. Intelligente Konzepte, die viele Depotstrukturen anbieten, Risikokontrolle berücksichtigen und damit zwar automatisiert, aber trotzdem individuell agieren, finden zu allererst bei jüngeren, technikaffinen Menschen Zuspruch, aber sicher auch bald in weiteren Zielgruppen. Der Markt entscheidet in den kommenden Jahren, in welchem Maße die neuen Lösungen Marktanteile erringen. Besonders in schwierigen Börsenzeiten trennt sich hier die Spreu vom Weizen.

Fazit: Was hier in Deutschland erst beginnt, löst vielleicht das Problem, das „normale Anleger“ kaum noch gute Beratung vorfinden, weil sie sich für die Branche vermeintlich nicht lohnt. Aber nur wenige Kunden – auch wenn künftig mehr Finanzbildung stärker über Chancen und Risiken aufklärt – legen am Ende selbst ihre Gelder an. Zu wenig eigene Kompetenz oder einfach nur Arbeitsteilung bescheren der Finanzbranche auch künftig Kunden. Eine Standardisierung ermöglicht gute Finanzlösungen für Alle. Im Ursprungsland der Roboadvisors, den USA, gehört auch die Anlage größerer Beträge über Online-Wege zum Alltag. Wenig Zeit und niedrige Kosten treiben die Nachfrage auf Kundenseite. Wenn die Ergebnisse stimmen, stärken sie den Ruf und die Akzeptanz moderner, technisch unterstützter Finanzberatung.

©Text/ Foto/ Grafik Renate Kewenig, Finanzverstand 2020

Im Interview bei den Fondsfrauen

Gedanken rund um Finanzwissen und -bildung bei den Fondsfrauen!

Neues Video mit den geldfreundinnen

Anfang des Jahres behandelte ich das Thema Anlageprozess im blog, jetzt gibt es dazu ein neues Video

Krisen sind normal – Tipps, wie Sie Ihr Portfolio sicherer machen

Zwei Tipps für Anleger*innen, die Ihre Anlagen vor historischen Rückschlägen schützen wollen:
Betrachten wir die gerade veröffentlichte Übersicht der Kursrückgänge (Quelle: Starcapital in Wirtschaftswoche online vom 17. April 2020) stellen wir fest, dass Krisen durchaus der Normalfall sind. Anleger*innen tun gut daran, in guten Zeiten vorzudenken und für sinkende Kurse vorzusorgen.
Wie geht das?
Tipp 1: In guten Zeiten glauben Sie, ein Verlust von 25% sei kein Problem – und geben das vielleicht bei einem Beratergespräch auch so an. Sie sehen sich als langfristige*n Anleger*in, haben einmal investiert und verfolgen eine buy-and-hold-Strategie – Ihre Anlagen bleiben unverändert im Depot.
Die Lösung: Eine ausgewogene Strategie mit 50% Aktienfonds und 50% Rentenfonds.
Dann tritt der Fall ein, Ihr Aktienanteil verliert 50% und damit sinkt Ihr Depotwert um 25.000 € (bei einem Anlagevolumen von 100.000 €) auf nur noch 75.000 €. Das tut sehr weh!
Der Trost: Die ausgewogene Strategie reduziert das Verlustrisiko (nur Aktien: 50%!) ganz erheblich.
Übrigens: Es genügt nicht, wieder 25% Verluste aufholen (schon schwer genug), sondern da die Basis ja nur noch 75.000 € beträgt, benötigen Sie gut 33% Plus, um wieder bei Ihrem Anlagebetrag von 100.000 € zu landen.
Tipp 2: Gerade in guten Börsenzeiten, die wir ja gerade mehr als zehn Jahre genießen durften, lohnt es sich, dem alten Sprichwort „ Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ zu folgen.
Die Lösung: „Sicherung“ von Kursgewinnen in schwankungsärmere Anlagen federt spätere Kursverluste ab.
Ein Beispiel: Ihr Depot enthält 50.000 € Aktienfonds und 50.000 € Rentenfonds, verfolgt also eine ausgewogene Strategie von 50/50%.
Durch Kursgewinne im Aktienbereich steigt dieser Anteil auf 75.000 €, Rentenfonds bleiben bei 50.000 €, Sie freuen sich über ein Plus von 25.000 € und ein gesamtes Depotvolumen von
125.000 €.
Die Gewichtung von Aktien- zu Rentenfonds verschiebt sich auf 60/40%., das Depot wird risikoreicher.
Rutschen die Aktienkurse jetzt um 50%, verlieren Sie insgesamt 30% (37.500 € bezogen auf 125.000 € Depotvolumen).
Zugegeben, der Verlust ist geringer durch die ausgewogene Strategie, als wenn Sie nur in Aktien investiert hätten.
Besser funktioniert allerdings ein so genanntes Rebalancing:
Das „gewonnene“ Vermögen, die 25.000 € fließen zur Hälfte in Rentenfonds (die in meinem Beispiel wertstabil bleiben) – also entsprechend der ursprünglichen, ausgewogenen Strategie.
Damit sind beim neuen Depotvolumen von 125‘ in Rentenfonds 62.500€ platziert, genau wie im Aktienbereich, also wieder die ausgewogene 50/50% Gewichtung.
Schlagen jetzt 50% Kursverlust zu, verlieren Sie zwar auch 31.250 €, das entspricht jedoch nur25%.

Fazit: Dies – zugegeben etwas sperrige Beispiel – zeigt zwei Dinge:
1) Eine (individuell passende) Strategie reduziert das Verlustrisiko. Zum Beispiel eine ausgewogene Strategie zwischen dynamischen und schwankungsarmen Anlagen.
2) Ein Rebalancing – also die regelmäßige Anpassung an die ursprüngliche Strategie – hilft, Verluste zu begrenzen.

Wie setzen Sie das um?
Klar, ein ständiger Blick ins Depot und manuelle Umschichtungen stellen eine Möglichkeit dar. Doch realistisch betrachtet ruhen die meisten Depots, erst recht, wenn es selbst geführte sind und Sie nicht ein echter Wertpapierfreak sind.
Hier helfen manche Anbieter durch ein spezielles Anpassungstool, ein automatisches Rebalancing, das für einen bestimmten Turnus vereinbart wird. Damit stellen Sie sicher, dass Ihr Depot weitgehend immer Ihrer Risikoneigung entspricht und nicht „aus dem Ruder läuft“.
Sprechen Sie Ihre Berater darauf an und wählen Sie Ihre Partner danach aus!
© Text, Grafik und Foto, eigene Recherche, Renate Kewenig, Finanzbilderin, Finanzverstand®

Corona – Stoppt die Fondsflucht!

Die Investmentbranche erlebt gerade eine Massenflucht aus Fondsprodukten – was bedeutet das für Anleger*innen?
1) Geld ist ein flüchtiges Reh … je unsicherer die Nachrichten, desto schneller flüchtet es in (scheinbar) sichere Häfen, da hört man nicht nur Gold, sondern auch das Kopfkissen. Die Angst, nicht an das Geld heran zu kommen oder Geld zu verlieren ist groß.
2) Meine lange Erfahrung zeigt, dass – fachlich betrachtet – Investmentfonds zwar tolle Produkte sind für alle möglichen Anlageziele, dass Anleger*innen sie aber (bisher) nicht verstehen. Woran liegt das? In erster Linie an fehlendem Wissen über Wirtschaft und Anlage, in zweiter Linie daran, dass Anbieter bisher wenig Interesse daran haben, aufzuklären. Hauptsache es klappt, das Produkt zu verkaufen, verstehen muss der Kunde das nicht.
Diese Haltung schadet der Anlegertreue: Wenn Anleger*innen nicht wissen, warum sie einen Fonds besitzen und wie er funktioniert, können sie auch nicht einschätzen, wie sehr er jetzt in einer Krise gefährdet ist. Und folgen nur dem Bauch.
3) Die inzwischen vorgeschriebenen Schritte zur Beratung von Kunden finden pro forma statt, aber bleiben in der Praxis oft inhaltsleer. Ergänzende „Schulungen“ über die wesentlichen Aspekte der Geldanlage fehlen, Berater und Unternehmen setzen vor allem auf Vertrieb und Marketing. Sicher nicht jeder ist als Referent*in geboren und der Erfolg von Workshops oder Seminaren erscheint erst auf den zweiten Blick.
4) Das riesige Angebot von Fonds in Deutschland könnte schrumpfen, durch die Anlegerflucht sinken die Einnahmen der Anbieter, was zu einer Konsolidierung von Produkten, Personal und Unternehmen führen dürfte. A la longue könnte das für Verbraucher*innen aber auch ein Vorteil sein, wenn mehr Klasse als Masse übrig bliebe.
5) Die Erfahrung aus den bisherigen Crashs meines Berufslebens haben gezeigt, es geht (irgendwann) wieder aufwärts. Das macht gelassener. Aktuell finden sich viele Anleger*innen, die dem Trend nach „do it yourself“ folgten, häufig ohne strategischen Ansatz in Anlageprodukte investierten und dem (scheinbar) leicht verdienten Geld verfielen. 10 Jahre aufwärts bleiben nicht ohne Folgen, viele fragen sich: „Alle verdienen Geld, die an der Börse aktiv sind, warum nicht ich?“ und machen einfach mit.
Man kennt das Warnsignal der „Milchmädchen“ (die es heute nicht mehr gibt: wenn sie anfangen zu investieren, wird es Zeit vorsichtig zu sein. Oder „die zittrigen Hände“ – frei nach André Kostolany*, einem der erfahrensten und erfolgreichsten Börsenspekulanten -, die als erste die Nerven verlieren
Jetzt erleben – für meinen Geschmack zu viele – Anleger*innen, dass Kurse eben auch mal rasant die Richtung wechseln und was verlieren bedeutet.
6) Unreflektierte Werbung für ETF-Investment & Co. statt strategischer, mit Wissen unterlegter Geldanlage, könnte wieder einmal der privaten Vermögensbildung geschadet haben. Wenn – wie schon nach der Telekom Aktie – Normalsparer erleben, wie ihr sauer verdientes oder gerade ererbtes Geld vernichtet wird, weil grundsätzliche Regeln der Geldanlage eben beim Produktverkauf oft keine Rolle spielen, dauert es wieder Jahre, bis neues Vertrauen aufgebaut ist. Das wäre schade und verheerend für die private Altersvorsorge.
7) Daher: Stoppt die Fondsflucht! Schauen Sie, ob ihre Anlagen zu Ihrer persönlichen Situation passen oder nicht. Folgen Sie keinen kurzfristigen, kopflosen Tipps oder Angeboten, zum Beispiel zum Verkauf von Anlagen. Wenn die Strategie stimmt, bleiben Sie investiert! Oder Beispiel Lebensversicherungen: Ohne eine Freundin dieser Anlageform zu sein, ein Verkauf von vielleicht noch gut verzinslichen alten Verträgen – die außerdem den Todesfall absichern – dürfte meist keine gute Idee sein. Außer für den Käufer. Wenn die Prämie aktuell den Geldbeutel belastet, stellen Sie den Vertrag beitragsfrei und nehmen die Zahlung wieder auf, wenn es jobmäßig besser geht.
Bei Anlagen kommt es erst in zweiter Linie auf die einzelnen Produkte an, viel wichtiger sind die individuellen Ziele und Voraussetzungen. Wenn weniger Geld zur Verfügung steht, stoppen Sie Sparraten, behalten Sie aber den Bestand. Wenn es geht, kaufen Sie eher nach und verbilligen Sie Ihre bisherigen Einkaufskurse. Prüfen Sie, ob der Mix zwischen den verschiedenen Fonds stimmt oder passen Sie an. Ein Verkauf und späterer Einstieg – das so genannte timing – gelingt praktisch nie, außer zufällig. Im schlimmsten Fall bleiben Sie zu lange gar nicht investiert. Behalten Sie langfristige Ziele im Auge!

© Text und Foto, eigene Recherche, Renate Kewenig, Finanzbilderin, Finanzverstand® / * verstorben 1999 mit 93 Jahren

Online-Training, Gutachten und Beiträge – Finanzfit® durch die Krise

Wenn’s um Geld geht, spielt Vertrauen eine große Rolle. Dabei hilft der persönliche Kontakt, denn der „Bauch“ funktioniert nicht digital. Aktuell bieten wir statt Veranstaltungen und persönlicher Termine andere Wege an, Fragen zur privaten Anlagesituation zu begleiten und Wissen weiter zu geben. Das reicht von Gutachten zur Qualität von Fondsdepots über Online-Termine und Workshops bis zu Video-Beiträgen über Partnerplattformen (aktuell zu Corona). In Kürze stehen auch Themen-Videos zur Verfügung, die verschiedene Anlagethemen behandeln. Fragen nehmen wir gern auf und behandeln sie in einem eigenen Beitrag, wenn sie von allgemeinem Interesse sind. Näheres erfragen Sie telefonisch über 02226 918405 oder per Mail über kewenig@finanz-verstand.de !

 

Fondsvergleich und Anlage heute – trotz Corona

Trotz Corona-Schockstarre: Finanzielle Fragen wie die eigene Altersvorsorge, fällige Lebensversicherungen oder Erbschaft beschäftigen Anleger*innen auch in diesen Zeiten. Ein Fondsvergleich_032020  von „alten Hits“ im Fondsbereich zeigt, dass auch in schwierigen Szenarien relativ stabile Anlagen möglich sind. Ein Kurzläuferfonds, verschiedene defensive und offensive Mischfonds sowie ein qualitativer europäischer Mischfonds belegen beispielhaft, dass zwar alles etwas in die Knie geht, aber mit den passenden Produkten weniger Stress und geringere Verluste möglich sind. Bewusst nenne ich hier nicht die jeweiligen Anbieter, sondern exemplarische Fonds, um Mut zur Anlage zu machen!
Eine eigene Strategie steht immer im Vordergrund, der Zeithorizont und die persönlichen Ziele bestimmen, wie Sie vorgehen. Größere Beträge investieren Sie aktuell eher schrittweise und zwar besonders den Aktienanteil, auch wenn es bei einer langen Anlagedauer kaum eine Rolle spielt, wann Sie investiert haben. Das gilt auch bei weniger schwankenden Anlagen – insgesamt kommt es vor allem auf gute Produkte an, die schon bewiesen haben, was sie in Krisen leisten können.
Regelmäßiges Sparen fürs Alter läuft auch bei schwankenden Kursen weiter, vielleicht stocken Sie sogar bei diesen Kursen etwas auf.
Entnahmen aus einem Depot für die Rentenphase profitieren jetzt von einer guten Struktur, defensiv geplanten monatlichen Auszahlungen, die bei fallenden Kursen nicht zu viel aus dem Vermögen verzehren und dem Mut, die Strategie beizubehalten.
Klar kann man auch verkaufen und irgendwann neu kaufen – aber die perfekten Investitionszeitpunkte trifft niemand (oder nur zufällig) und wenn es dumm läuft ist man gar nicht investiert. Eins ist klar, Aktienanlagen sind jenseits von 10 und 15 Jahren die ertragreichste Anlage, trotz Steuer, auch wenn es eben immer mal crasht. (vgl. das DAI Renditedreieck für Einmalanlagen)
Ob in der .com-Krise, der Finanzkrise oder jetzt – mittendrin kann sich niemand vorstellen, dass es wieder aufwärts geht. Und ja, diesmal ist es (wieder) etwas anders – Geschichte wiederholt sich eben nicht. Die Wirtschaft wird deutlich negative Spuren zeigen, über alle Branchen, bis hin zum Immobilienmarkt. Die Staatskassen stützen und verabschieden sich gerade von den eigenen Schuldenregeln, um die Gesellschaften zu stabilisieren. Welches die tiefsten Kurse sind, wissen wir heute auch noch nicht. Aber eins wissen wir: Es wird vorüber gehen und in ein paar Jahren rangiert auch Corona unter „es war einmal“. Das tröstet und gibt Zuversicht!
© Text und Foto, eigene Recherche, Renate Kewenig, Finanzbilderin, Finanzverstand®

Anlageprozess statt Kostolany – cool bleiben bei der Geldanlage!

Börsenlegende André Kostolany – kurz vor dem Platzen der .com-Blase mit 93 Jahren gestorben und ein vehementer Verfechter der Aktienanlage – vertrat immer: Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und wenn man wach wird, ist man reich.

Aber stimmt das wirklich? Auch ich bin eine glühende Verfechterin von mehr Mut zu Dividendentiteln – dahinter steht ein echter Sachwert (Wirtschaftsunternehmen mit Immobilien, Patenten, Produkten, Gewinnen…) und nicht nur ein Versprechen auf Zinsen und Rückzahlung, wie zum Beispiel bei verzinsten Wertpapieren.

Wer zum Beispiel 2009 in Aktien (-fonds) investierte profitierte oder profitiert noch von einer langen Aufwärtsbewegung der Märkte, mit kleinen Rückschlägen, aber der Punktestand im DAX hat sich fast verdreifacht! Wer jetzt investieren will fragt sich, ob der Zeitpunkt günstig ist (wie sooft in den letzten Jahren) oder wann ein Kursverlust droht. Diese Frage des „timing“, also des „richtigen“ Zeitpunkts eines Investments, scheint immer wichtig, Studien zeigen aber, dass es unmöglich ist, die optimalen Zeitpunkte zu treffen. Wichtig ist, überhaupt investiert zu sein.

Was heißt das für Privatanleger? Ein individueller Prozess für die Geldanlage hilft, diese Crux zu lösen.

Nach umfassender Information über Möglichkeiten, Anlageformen, Anbieter, Grundregeln der Geldanlage…. kommt die Analyse der eigenen, aktuellen Situation. Im Anschluss stellt sich die Frage der Ziele: Welche Rendite erwarten Sie und welche Zeit steht zur Verfügung? Welche Rückschläge vertragen Sie? Gibt es konkrete Ziele wie Immobilienkauf, Kredittilgung oder Altersvorsorge? Wie wichtig ist Nachhaltigkeit und vieles mehr.

Die Voraussetzungen bilden den nächsten Schritt: Welche Mittel stehen zur Verfügung, einmalig und/ oder regelmäßig, wie sieht die künftige Entwicklung aus und sind die Ziele realistisch erreichbar?

Auf dieser Basis folgt der – aus meiner Sicht – wichtigste Schritt: Die Strategie.

Die Definition verschiedener Zeiträume, kombiniert mit der jeweiligen Renditeerwartung und Risikotragfähigkeit bzw. Risikobereitschaft führt zu einer möglichen Depot-/ Anlagestruktur: Wie groß darf der Aktienanteil sein und wie wird er abgebildet, welche Elemente sind kurz- und mittelfristig einzusetzen und wie teilen sie sich auf. Wenn diese strategischen Entscheidungen getroffen sind geht es „nur noch“ um die Umsetzung und die regelmäßige Kontrolle, ob Ziele und Strategie noch stimmen. Dieser Check sollte mindestens einmal pro Jahr erfolgen.

Mit einer passenden Strategie betrachten Sie Marktbewegungen gelassen – sehr Risikofreudige profitieren sicher mehr von den Aufwärtsbewegungen, müssen aber zwischendurch mehr Stress aushalten (dafür gibt es ja auch eine „Belohnung“ über die Risikoprämie bei Aktienanlagen). Ausgewogene oder eher defensive Strategien reduzieren den Stress (die Schwankung des Depots), bieten aber immer noch attraktive Ergebnisse.

Auf jeden Fall schützen eine passende Strategie und ein regelmäßiger Check vor bösen Überraschungen, geben aber Gelassenheit im Auf und Ab der Märkte.

©Text_Foto, Grafik_FV/ RK

Risiken lauern überall – Was nützen Berater oder Coaches?

Selbstbestimmte, durchblickende Geldanleger, die souverän ETF-Depots bauen und ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen: So scheint die Welt zu sein, wenn man sich manche Veröffentlichungen ansieht. Die Wirklichkeit besteht aber aus vielen Menschen, die Geldanlagen meiden, nicht in Aktien anlegen, Rendite verschenken und gar nichts tun. Misstrauen sowie mangelndes Finanzwissen über Zinsen, Kurse, Kosten, Produkte und wirtschaftliche Zusammenhänge verursachen Anlage-Lethargie – mit fatalen Folgen für Vermögensentwicklung und Altersvorsorge.

Manche politischen Stimmen finden es empörend, dass mit Geld mehr verdient wird, als mit Arbeit. Erstens, wie viele Menschen betrifft das? Zweitens, dieses „mehr“ hat auch immer mit „Risiko=Schwankung“ zu tun, das mit Rendite belohnt wird. Drittens, beklagen wir nicht gerade, dass nicht investiert wird? Investition hat auch immer eine Risikokomponente – zum Beispiel beim Aktienkauf. Aber das brauchen wir doch, Vertrauen der eigenen Bevölkerung in ihre Unternehmen und deren Erfolg!

Und wäre es nicht nur fair, wenn private Geldanlagen, die frühere Generationen durch eigenes Spar- und Anlageverhalten gebildet und mehrfach versteuert haben, nun weiter wachsen? Aber wie sollen sie wachsen, wenn es keinen Zins mehr gibt und risikofreudiges Anlegen vermieden wird?

In diesem ganzen Dilemma schlägt dann die Stunde der Berater: Analyse, gute Vorschläge, Lösung gekauft. Weiterbildung der Kunden steht nicht wirklich auf dem Plan, denn informierte Kunden stellen Fragen. Eine Broschüre über Geldanlage gehört als Basiswissen zum Informationspaket – die Wenigsten lesen, geschweige denn verstehen den Inhalt. Wie gesagt, Finanzbildung fehlt ja.

Die Lücke zwischen Kunde und Berater füllt das Vertrauen in die Kompetenz, die Seriosität und nicht zuletzt die gesetzlichen Auflagen für Finanzberatung. Empfehlungen aus Freundeskreis oder Familie, seit einigen Jahren auch Bewertungsportale helfen bei der Beratersuche. Das Image dieser Berufsgruppe ist schlecht durch die Finanzkrise und Beratungsskandale. Referenzen, ein guter Ruf und Erfahrung sprechen für einen guten Berater, seit Jahren ist Fachwissen selbstverständlich und die entscheidende Zulassungsvoraussetzung.

Kunden mit dem passenden Berater finden neben Fachkompetenz und Engagement auch jemand, der für seine Vorschläge haftet. Fehlt eigenes Finanzwissen, nützt diese Kombination bei einer Anlagelösung.

Der Begriff „Coach“ wird heute inflationär gebraucht und ist nicht geschützt. Es hört sich irgendwie gut an und ist „in“. Blickt man etwas hinter die Kulissen stellt sich heraus, dass mancher Coach doch letztlich Finanzprodukte anbietet oder fachlich gar nichts mit Finanzen zu tun hat.

Im Finanzcoaching geht es aus meiner Sicht nicht darum, eine Lösung zu verkaufen und Ratschläge zu erteilen. Im Kern begleiten Coaches die Personen, ihre Ziele zu erreichen und eigene Lösungen zu finden. Gerade in der Finanzbranche profitiert ein Anleger von einer eigenen Lösung, zum Beispiel wenn Kurse fallen. Im Coaching fand er vielleicht heraus, dass ein Kursrückgang in dem Teil des Geldes, das lange nicht gebraucht wird, für ihn kein Problem ist. Damit bleibt der Kopf kühl, wenn der Aktienanteil schwankt. (Und zwar aus eigener Erkenntnis und nicht weil der Berater sagt: Durchhalten!)

Der Wissensinput durch den Coach bei Bedarf und Methoden, die eigene Erfahrung fördern, helfen den Coachees, eine Vorstellung von Geldanlage zu bekommen und sich bewusst zu entscheiden. Ein fachlicher Hintergrund in Finanzfragen beim Coach ist aus meiner Sicht unabdingbar.

Erkenntnisse, Verhaltensänderungen (weg vom Girokonto hin zu einer eigenen Strategie) und Fähigkeiten (wie unterscheide ich Produkte, wie finde ich meine Ziele und Strategie ….) ergeben ein nachhaltig neues Bild für eigene Entscheidungen. Wie die konkrete Umsetzung einer Geldanlage erfolgt, ob in Eigenregie, über praktische Online-Portale oder ob ein Berater oder sogar ein Vermögensverwalter der beste Weg sind steht auch am Ende eines Coachingprozesses. Dieser Schritt ist dann nur noch das „logische Tüpfelchen auf dem i“.

Anmerkung: Die Verwendung der männlichen Form der Substantive in diesem Beitrag dient lediglich der einfacheren Lesbarkeit.

©Text_Foto_FV/ RK

Kick-Off Finanz Salon in Pinneberg gelungen!

Bei 32 Grad startete der Finanz Salon in Pinneberg: Eine Reihe, die – vor allem für Frauen – Geldthemen fachlich in den Alltag holt.

Die Teilnehmerinnen brachten unterschiedlichste Fragen mit, die sie Finanzexpertin Renate Kewenig stellten: Vom Sinn eines Riester-Vertrages über „Wie lege ich richtig an“ bis zu Vor- und Nachteilen der aktiven Investmentfonds gegenüber börsengehandelten ETF’s. Wer mehr wissen und tiefer einsteigen will nutzt die kommenden Finanzseminare in Hamburg und anderswo. Die nächsten Termine unter Veranstaltungen .

Der nächste Salon findet gemeinsam mit den geldfreundinnen in Köln am 6.9. statt.

 

Finanz-Strategie: cool bleiben!

Leicht gesagt: Auf der einen Seite titeln Finanzzeitschriften „Reich werden mit…, Die besten Fonds……., Gewinne extrem…“ und treiben damit Anleger voran. Auf der anderen Seite folgen Horror-Szenarien wie „Dann wird’s blutig“, die den nächsten Crash beschreiben.

Wie soll man dabei cool bleiben?

Der eine Weg kann sein, nichts tun, den ganzen Trubel ignorieren und weiter auf Konto & Co. vertrauen. Allerdings dürfte sich langsam herum gesprochen haben, dass geparkte Gelder nicht mal mehr die Inflation auffangen. Der Zins minus Inflation führt zu negativen Realzinsen und Geldverlust. Auch wenn man es der Zahl auf dem Kontoauszug erstmal nicht ansieht.

Der andere Weg bedeutet: die Komfortzone verlassen und sich mit dem Finanz-Thema befassen. Käufer von Waschmaschinen oder Autos, bis hin zu Handytarifen befassen sich mehr mit Alternativen und dem Kleingedruckten, als Geldanleger!

Dabei ist es nicht so schwierig und die Vorbereitung kann ohnehin nur Jede und Jeder selbst treffen – egal, ob Geld in Eigenregie angelegt wird, oder ein Berater helfen soll.

Meine lange Beraterinnen-Praxis hat gezeigt, wenn Ziele und Zeit mit den richtigen Produkten kombiniert sind, können auch kabbelige Börsenzeiten kaum erschrecken. Welche Fragen müssen Sie sich stellen?

Geht es um Altersvorsorge, einem der Hauptthemen für die Geldanlage?

Altersvorsorge basiert auf der Summe der zum Ruhestand vorhandenen Vermögenswerte. Dabei gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm! Schon 100,–€ monatlich bringen über 30 Jahre ein Vermögen von rund 100.000,–€, bei einer Rendite von 6% pro Jahr. Berufsanfänger heute müssen eigene Rücklagen schaffen und verfügen sogar über längere Zeitspannen. Mit Mitte 40 sollte spätestens der Kassensturz erfolgen:

Welche Renten sind zu erwarten? Wie sind die Berufschancen? Wie können Kosten optimiert werden, um Gelder zu sparen? Welcher Betrag ist monatlich übrig? Welche Rolle spielt eine Immobilie in der Lebensplanung?

Wichtig ist, nicht in Produkten, sondern in Lösungen und Strategien zu denken. Vom „Notgroschen“ über mittelfristige Beträge bis hin zu langfristigen Anlagen sollte eine Struktur aufgebaut sein.

Das Prinzip: Geld, das ich nicht heute brauche, darf schwanken und langfristig mehr Ertrag bringen. Der Notgroschen muss stabil sein.

Eine Daumenregel besagt: Der Aktienanteil darf 100 – Alter betragen. Also: Mit 50 Jahren darf der Anteil an Dividendenpapieren 50% betragen, je jünger, desto mehr! Als Lösungen kommen praktischerweise Investmentfonds und ETF’s in Frage, einzelne Aktien führen bei Normalvermögen nicht zu einer ausreichenden Streuung.

Geht es um besondere Ziele? Einen Immobilienerwerb? Die Tilgung von Darlehen in ein paar Jahren? Einen Auslandsaufenthalt? Je kürzer das Zeitfenster, desto mehr sichere (schwankungsarme!) Bausteine braucht das Depot. Also: am Anfang steht die Strategie, erst im nächsten Schritt geht’s um Produkte und Umsetzung.

© Finanzverstand, R. Kewenig

Rente aus dem eigenen Depot – wie geht das?

Vielen Dank der Wirtschaftswoche online für ihren Beitrag der „Zinsrente“!

Ein paar Anmerkungen seien erlaubt:  Auch uninteressierte Geldanleger und –anlegerinnen wissen inzwischen, dass Zinsen seit einiger Zeit „Null-Zinsen“ sind. Woher also die 3% bekommen, die im Artikel angenommen werden? Und: „Zins“ suggeriert Sicherheit – Eine lange Prägung deutscher Sparer, die auch hohe Zinsniveaus umfasste. Wann und ob diese Zeiten wieder kommen ist fraglich.

In der Beratungspraxis bewährte sich über viele Jahre die so genannte Investmentrente (oder auch Fondsrente, weil sie auf einer Mischung aus Investmentfonds basiert). Sie drückt aus, dass verschiedene Anlagen – eben Investitionen – die Basis für eine Rendite legen, die dann später eine eigene Entnahme aus einem Fondsdepot ermöglicht. Damit bleiben Flexibilität und eigener Einfluss erhalten. Während der Sparphase gehört ein regelmäßiger Blick aufs Depot – mindestens einmal im Jahr – zum Standard. Passen Ergebnisse und Sparrate noch zum angestrebten Ziel?  Rechtzeitig vor der Rente – idealerweise 5-10 Jahre – erfolgt die Feinabstimmung: Wie hoch fallen Einnahmen und Ausgaben aus? Wie hoch wird die Lücke sein? Wie ist die Depotentwicklung? Welche Entnahme aus den Anlagen ist möglich?

Gerade wenn wir über die Altersvorsorge – also die Rücklage während 30 oder 40 Jahren – sprechen, wenden wir uns besonders an Jüngere: Staatliche Rente ist rückläufig, eine Lücke klafft zwischen letztem Einkommen und Rente, private Vorsorge ist unerlässlich. Eine neue Forsa Studie aus Mai 2018 belegt, dass diese Zielgruppe (16 bis 25 Jahre) zu 66% ihr Finanzwissen nur als befriedigend bis ausreichend bezeichnet, 26% beklagen große Defizite. Aus der Erfahrung jahrzehntelanger Finanzberatung:  Vor Vierzig wird den Wenigsten klar, dass Konsum der Feind der Vermögensbildung ist. Nach der Ausbildung oder dem Studium lockt verständlicherweise erstmal das Gefühl, eigenes Geld ausgeben zu können. Außerdem fallen Kosten für den eigenen Hausstand, Familiengründung und vielleicht Immobilienerwerb an. Reichtum entsteht nicht durch Ausgeben, aber in der Phase fällt Sparen nicht leicht. Frühes Anlegen bringt jedoch schon mit 50,–€ im Monat (mit der entsprechenden Rendite) ein Basisvermögen von 100.000 Euro Basiswissen_Rente_Sparplan_2018: Wie schnell ist diese Sparrate im Monat beim Italiener ausgegeben….

Sparer müssen sich entscheiden: Welchen Betrag kann oder will ich aufbringen, zu welchem Konsumverzicht bin ich bereit, welches Ziel habe ich, kann ich es durchhalten, ist es mir die Sache wert und verstehe ich, dass Zins allein es nicht schaffen kann: Aktien sind unverzichtbar. Credit Suisse und die London Business School haben in einer Studie nachgewiesen, dass in dem extrem langen Zeitraum seit 1900  Anleihen 2% pro Jahr und Aktien 5,2% pro Jahr erbrachten. Um also eine Rendite zu erzielen, die Kapital wachsen lässt, gehört eine Mischung ins Depot.

Auf jeden Fall: Die Altersvorsorge in die eigene Hand zu nehmen ist möglich und notwendig!

Gretchenfrage: „Wie finde ich eine gute Finanzberatung?“

Bei allen vermeintlichen Trends zu digitalen Finanzlösungen höre ich bei meinen Seminaren regelmäßig die Frage nach passenden, analogen „guten“ Beratungsangeboten. Aber was ist darunter zu verstehen?

„Gut“ heißt sicher erstmal: qualifiziert. Was bei Finanzinstituten mindestens durch die Ausbildung zum Bankkaufmann/ zur Bankkauffrau gegeben ist, war bei den freien Beraterinnen und Beratern bis vor wenigen Jahren fraglich. Die gute Nachricht ist, dass seit der Regulierung durch den Gesetzgeber Finanzberaterinnen und –Berater fachliche Qualifikation und eine Zulassung benötigen. Vor einer Beratung müssen interessierten Personen durch eine Erstinformation die erforderlichen Daten offen gelegt werden.

„Gut“ bedeutet weiterhin: Passend zum Anlagewunsch und zur Person insgesamt. Nach unzähligen Beispielen über ungeeignete Produkte – wer erinnert sich nicht an das Lehman-Zertifikat für die „Oma“ – schreibt der Gesetzgeber klare Regeln vor, die bei einer Beratung einzuhalten sind. Das Ergebnis in den Beratungsunternehmen sollte ein qualifizierter und definierter Prozess sein, der diese Regeln für eine anlegergerechte Beratung umsetzt. Neben umfassenden Fragekatalogen, die manchmal nervig empfunden werden, sollte die Produktauswahl nachvollziehbar sein. Fragen Sie im Gespräch ruhig nach, welche Kriterien der Berater oder die Beraterin für ihre Angebote anwendet, warum Ihnen das eine oder andere Produkt vorgeschlagen wird. Ob die gesetzlichen Vorgaben der neuen Beratungsregeln erfüllt sind prüft inzwischen auch bei freien Finanzunternehmen jährlich ein Wirtschaftsprüfer. Der Bericht ist der Aufsichtsbehörde vorzulegen.

Damit ist „gut“ im Sinne von „geeignet für die jeweilige Person“ eigentlich zwangsläufig, da Mindeststandards für die Beratung und deren Einhaltung reguliert sind.

„Gut“ scheint heutzutage auch oft „billig“ zu bedeuten. Wurde in der Finanzbranche über Jahrzehnte so getan, als koste die Dienstleistung einer Beratung nichts und wurde über Provisionen nicht gesprochen, so gilt heute „möglichst keine Kosten“. Die neuen Regulierungsauflagen verpflichten Finanzdienstleister, ihre Kosten und die Produktkosten offen zu legen. Für manche, die über Provisionen vergütet werden, eine Aufgabe, sich Gedanken zu machen, welche Dienstleistungen sie eigentlich bieten für ihr Geld.

Basiert die Vergütung auf individuellen Vereinbarungen, wie im Bereich der Honorarberatung, befinden wir uns in einem Umfeld, wie es von freien Berufen wie z.B. Rechtsanwälten bekannt ist. Gespräche, Leistungen, Gutachten, alles hat seinen Preis. Da es für die Finanzbranche – leider – keine selbstregulierende Kammer und damit auch keine Gebührenordnung gibt, bestimmt der Markt – also was Sie bereit sind zu bezahlen, noch die Preise.

„Gut“ gleich „billig“ greift auch scheinbar in der Produktwelt, anders ist der veröffentlichte Hype um ETF’s nicht zu erklären. ETF’s – Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Investmentfonds – kosten beim Kauf keine Ausgabeaufschläge, sondern nur die Gebühren bei Börse und Bank. Außerdem reduziert die Arbeitsweise die internen Kosten. Bildet ein Fonds einen Index ab, zum Beispiel den DAX, entfällt der Aufwand, den ein aktiv gemanagter Fonds treibt: Keine Fondsmanagementteams, die die Welt bereisen, keine Analysten, die das wirtschaftliche Umfeld beobachten und so weiter.

Es stimmt, es gibt relativ betrachtet nur wenige Investmentfonds, die besser sind, als der vergleichbare Anlagemarkt. Aber es gibt sie. Und wer möchte nicht einen Fonds besitzen, der weniger abstürzt, als der Index, wenn die Kurse mal wieder nach unten gehen. Seit der Finanzkrise gehen die Aktienmärkte im Wesentlichen in eine Richtung, aufwärts. Die Stunde der guten aktiven Fonds schlägt spätestens in schwierigen Zeiten. Eine Herausforderung guter Beratungsunternehmen ist, auf der Produktseite möglichst Qualität zu identifizieren und anzubieten. Und Qualität kostet, im Produkt und bei der Beratung.

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Zusammenfassend gehören Qualifikation und Erfahrung, eine breite und unabhängige Produktpalette, ein qualifizierter Beratungsprozess, Kundenorientierung und Kostentransparenz zu den Basics. Aktuell ist mir keine Plattform bekannt, die nach qualitativen Kriterien Beratungsunternehmen ausweist. Oft helfen persönliche Empfehlungen, Unternehmen, die einem Verband angehören bilden sich meist regelmäßig weiter und stellen sich dem Branchenaustausch und nicht zuletzt muss Ihr Bauch entscheiden. Wenn Sie kein gutes Gefühl mit der Beratungsperson haben, hören sie auf Ihren Instinkt und suchen weiter.

Eigene persönliche Finanzbildung vorher hilft zusätzlich, Inhalte zu verstehen, die richtigen Fragen zu stellen und eine passende Beratung auf Augenhöhe zu finden.

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