Finanzcoaching – Fachwissen für eigene Entscheidungen

Die Situation: Anleger kennen das: Der Gang zur Bank in der Hoffnung, dass der Berater – seltener die Beraterin – die passende Lösung für die eigene Geldanlage hat. Oft kommt dabei ein Bankprodukt heraus, manchmal sieht man sich mit einer Versicherungslösung konfrontiert oder je nach Anlagebetrag schafft man den Sprung in eine individuellere Beratung. Letzteres wird dank strenger Regulierung immer seltener.

Erfahrungen durch die Finanzkrise und die Fehler der Branche führen zu einer beschleunigten Veränderung der Finanzberatung. Andererseits suggerieren uns moderne Lösungen über Handy & Co., dass Geldthemen easy sind. Auch Gesetzgeber machen den Weg frei für Bezahldienste, die Banken nicht mehr beteiligen. Paypal überweist von einem Konto zum andern – Bank ist nicht mehr dabei. Das bedeutet insgesamt für Verbraucher, dass die eigene Verantwortung für Geld zunimmt: Wer hat die Kontodaten? Woher bekomme ich Informationen, denen ich vertrauen kann, um dann eigene Entscheidungen zu treffen?

Ein Aspekt ist die Kostenseite: Angesichts niedriger Zinsen und nur weniger Anleger, die in den letzten acht Jahren vom Börsenboom profitiert haben, richtet sich der Blick bei mageren Renditen stärker auf die Kosten….Provisionen beim Kauf, Kosten im Produkt während der Haltedauer, Servicegebühren, Performancefee (Beteiligung der Gesellschaft am Gewinn) und was es da sonst noch alles gibt.

Die Folge: Es wird immer mehr Verantwortung des und der Einzelnen für die Finanzentscheidungen erwartet. Die Branche muss umfassende Informationen anbieten für die Verbraucher, die diese dann für ihre Geldanlage nutzen sollen. Damit sind die Zeiten des umfassenden Berater-Vertrauens (das ja leider auch oft enttäuscht wurde) vorbei. Fakt ist aber auch, dass viele Anleger die Eigenverantwortung, die der Gesetzgeber erwartet, nicht leisten können oder wollen. Beruf, Familie und das Leben an sich lassen kaum Raum für weitere Themen. Dazu kommt, dass Geldanlage komplexer geworden ist, als früher. Woher soll die Rendite kommen? Wie gehe ich an das Thema heran? Daher liegen Milliarden auf Giro- und Bankkonten ohne Rendite –  schlimmer noch, die Inflation führt zu Kaufkraftverlusten, auch wenn nominal der Betrag auf dem Konto gleich aussieht.

Eine Lösung kann eine unabhängige Begleitung in Finanzfragen sein. So lange Wirtschaftsthemen nicht zum Grundangebot deutscher Bildung gehören  und schon gar nicht angewandte Themen wie Geldanlage – ist Eigenverantwortung viel verlangt. Auch die Steuererklärung macht bei vielen Bürgern ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein – die Sache mit dem „Bierdeckel“ hat ja nicht geklappt. Auch für juristische Fragen greifen Verbraucher auf Fachleute zurück, und das sogar inzwischen nicht mehr auf den „Feld-Wald-und-Wiesen“ Anwalt, sondern wegen der komplexen Themen auf Fachanwälte und –anwältinnen.

In der Zukunft geht die private Geldanlage immer mehr den Weg der Einfachheit – was in puncto Qualität und Rendite kein Vorteil ist – oder Anleger verstehen, dass einer qualitativen und erfolgreichen Geldanlage auch Fachwissen zugrunde liegt, das so oder so bezahlt werden muss.

©RK_Finanzverstand 2018

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