Ausblick 2020

Wieder geht ein Jahr zur Neige und vielleicht geht es Ihnen genauso: Wo ist die Zeit geblieben?
Kurz vor Jahresende kreiselt der DAX um die 13000 Punkte und befindet sich damit dicht an seinem Allzeithoch. Bis in deutsche Talkrunden schafft es das Thema Geldanlage – immer mit dem berechtigten Hinweis auf Aktienanlage als alternative Sparform in Niedrigzinszeiten. Nun wissen wir, dass nur wenige Anleger in Deutschland in Aktien investiert sind. Die Zahlen des Deutschen Aktieninstitutes (DAI) für 2018 zeigen, dass gut 10 Millionen Deutsche über 14 Jahre – ungefähr 16% – Aktien oder Aktienfonds besitzen. Die direkte Anlage in Dividendenpapiere bewegte sich gegenüber der indirekten Fondsanlage zurück. Trotz positiven Trends liegen die Spitzenzahlen von knapp 13 Millionen Anteilseignern um die Jahrtausendwende noch weit entfernt. Die Älteren unter uns erinnern sich noch: Die „ .com-Blase“, der so genannte Neue Markt oder die angebliche „Volksaktie“ der Telekom hinterließen bittere Erfahrungen bei Neu-Aktionären.
Eine „Milchmädchen-Hausse“ beschreibt die drohende Gefahr eines Börsencrashs: Wenn alle, bis hin zum – eher ärmeren – Milchmädchen (das es heute nicht mehr gibt) Aktien kaufen, ist Vorsicht geboten.
Mir kommt gerade der Medien-Hype sehr bekannt vor: Gute Ratschläge auf den Titelseiten, große rote Crash-Schlagzeilen, Tipps zum sicheren Reichwerden mit Bitcoin, Gold und „Sachwerten“ (wie Oldtimern oder Kunst) – alles schon mal dagewesen.
Ein Grund zur Unruhe? Aus der Erfahrung lenke ich den Blick gern auf das Wesentliche: die eigene Strategie, die zum Typ, zum Geldbeutel und zum Zeithorizont passt. Ja, wer sich jetzt anstecken lässt, doch noch auf den fahrenden Zug der Börsengewinne aufzuspringen und nicht genug Zeit hat, kann Schiffbruch erleiden. Wer aber endlich versteht, dass der Kaufkraftverlust des Geldes (Inflation zwischen 2 und 1,1% in 2019 – Zahlen von Statista aus 12/ 2019) ohne Zinsen – oder sogar mit negativem Zins – nur durch anderes Investieren ausgeglichen wird, kann trotzdem anfangen!
Trotz mehrerer Crashs seit 2000 befindet sich der deutsche Aktienindex heute nach fast 20 Jahren bei rund 13000 Punkten. Die Übersicht des DAI zeigt es plakativ: Je länger der Zeitraum, desto grüner – also ohne Verluste – zeigt sich die Aktienanlage. Lange Anlagehorizonte wie die Altersvorsorge für Jüngere, aber auch die Rentenphase für Ältere, die statistisch noch mehr als 20 Jahre vor sich haben, eignen sich perfekt dafür, Unternehmensanteile zu besitzen.
Um richtig zu streuen, plädiere ich für Aktienfonds oder agile Mischfonds, gerne auch nicht nur aus Deutschland, sondern mindestens Europa. Der Nachhaltigkeitsgedanke spiegelt sich in immer mehr Produkten, da kann anlegen auch noch mit gutem Gewissen verbunden werden.
Ob der Crash 2020 kommt? Ich weiß es nicht, niemand kann es wirklich voraus sagen. Die Industrie ist im Umbruch und politische Unwägbarkeiten gibt es reichlich – aber: langfristig bieten Dividendenpapiere den besten Ertrag.

© Text und Foto Finanzverstand R. Kewenig

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